Klaus Birk | 10./11.12.2016

Schwarzwälder Bote
Bericht von Jacqueline Geisel 
Klaus Birk sprach auch über die Identitätskrise moderner Männer. Foto: Geisel Foto: Schwarzwälder-Bote
Er ist ein Nagolder Humor-Urgestein, er ist Kabarettist, er ist Moderator, Comedian, Regisseur – er ist: Klaus Birk, wie er leibt und lebt und wie er am Wochenende auf der Bühne der Nagolder Seminarturnhalle stand.

Nagold. "Liebes-Trennkost! oder: Ich wär’ so gern kein Seckel mehr" heißt das aktuelle Programm des erfahrenen Komikers, der schon auf unzähligen Bühnen stand, häufig im Fernsehen zu sehen, im Radio zu hören und in Zeitungen zu lesen war, seit vielen Jahren für das schwäbische Volkstheater "Hannes und der Bürgermeister" schreibt und einige Soloprogramme auf die Bühne brachte.

Kleines Extra: Der Nagold-Rückblick 2016

Für seine Nagolder Fans hatte Birk sein eigentliches Programm ein wenig gekürzt und dafür um einen exklusiven, nur in der Seminarturnhalle gezeigten Teil mit Lokalbezug ersetzt: den Nagold-Rückblick 2016. Chronische Parkplatzknappheit, der bröckelnde "Iron Man" im Kleb und die Freuden der zahlreichen Umleitungen in der Region kamen dabei aufs Tapet. Auch Oberbürgermeister Großmann, der "Wahlkampf gegen sich selbst" geführt hatte, blieb nicht unerwähnt: "97 Prozent – so viel hat kein Schnaps", kommentierte Birk das Wahlergebnis.

Im zweiten Akt klang ein ernsterer Unterton an, als Birk zur "Liebes-Trennkost" und einer weitreichenden Kritik heutiger Beziehungsprobleme anhob. Als Fundament diente ihm ein historischer Rückblick in das Jahrzehnt seiner Geburt, die 1950er. "Männer waren damals noch Männer – und Frauen waren halt auch da" beschrieb er den damaligen Stand der Frauenrechte. Von dort führte ihn der Bogen zur Identitätskrise moderner Männer, die nicht mehr wüssten, wer sie seien. Auch das war früher einfacher: "Du warst halt ein Seckel und hast es durchgezogen".

Klaus Birks Weg durch das Programm führt zu tiefgründigen Überlegungen über den Umgang mit Schicksalsschlägen, das "sich selbst Finden" und zwischenmenschliche Beziehungen – das Arbeiten an ihnen, die Missverständnisse in ihnen und die Probleme mit ihnen. Einen kleinen Abstecher in die Politik machte er mit einem deutlichen Statement zum Protestwählen der AfD aufgrund von Unzufriedenheit mit anderen Parteien, ohne das Parteiprogramm überhaupt gelesen zu haben. Selber gestalten, selber etwas machen – das sei die Devise.

Das Publikum in der Samstag wie Sonntag vollen Seminarturnhalle bekam dank trockener und passend gesetzter Pointen dennoch ausreichend Grund zum Schmunzeln.
Dialoge zwischen "Helmut und Kurt"
Fans von "Helmut und Kurt" kamen ebenfalls auf ihre Kosten. Birk verlas den ein oder anderen Dialog zwischen den beiden, geführt im Bus, wo sie mal über Hundehaare auf der Hose, mal über die Notwendigkeit, immer eine Nagelfeile dabei zu haben, philosophierten.
Ein bisschen weniger mit Humor, dafür mehr von innen heraus erzählt, ein wenig ernster. Das habe Klaus Birk an diesem Abend versucht, umzusetzen, wie er zum Abschluss des Programms erklärte. Und es ist ihm gelungen.

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